Bauhaus (1919 - 1933): die Verschmelzung von Kunst, Handwerk und Industrie

Bauhaus – dieser Name steht in stilistischer Hinsicht für nichts anderes als den Beginn der Moderne. Der Begriff geht zurück auf die gleichnamige Kunsthochschule in Weimar, und als diese 1919 von Walter Gropius gegründet wird, da trägt sie einen ambitionierten Leitgedanken in die Welt:  Es ist jener der Einheit von Kunst und Handwerk. Zudem will die Hochschule mit ihren Entwürfen und Produkten den Anforderungen der industriellen Produktion gerecht werden.

 

Gropius schafft dafür spezialisierte Abteilungen, so genannte Werkstätten, mit zum Teil exponierten Persönlichkeiten der Zeit wie Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky. Kein Bereich soll dabei in der Folgezeit das Bild des Bauhauses nach außen so nachhaltig prägen wie die Möbelwerkstatt. Zunächst von Johannes Itten geführt, übernimmt Gropius 1921 die Leitung selbst. In der großen Bauhaus-Ausstellung 1923 werden erstmals Möbel vorgestellt, die konsequent die Grundsätze der Bauhaus-Philosophie befolgen, nach der jedes „Ding“ seine Funktion praktisch erfüllen muss. Marcel Breuers neuartiger Lattenstuhl scheint dieser Vorstellung bereits sehr nahe zu kommen. Er avanciert zu einem der bekanntesten Entwürfe des Weimarer Bauhauses. Übertroffen in der Wirkung wird er vor allem von jenem Sitzmöbel, das Breuer – nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau inzwischen Leiter der Möbelwerkstatt – zwei Jahre später der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist der so genannte Stahlrohr-Stuhl, also jene Konstruktion, die noch heute in vielfach abgewandelter Form und diversen Spielarten bei Möbelausstattern zu finden ist.

 

Nach Breuers Abgang 1928 ändern sich unter Hannes Meyer die Ziele der Werkstatt: Das Anforderungsprofil verschiebt sich weg von exklusiven Einzelanfertigungen hin zu Möbeln, die unter Verwendung einfacher Materialien bis zur Serienreife ausgearbeitet werden. „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ lautet der Slogan. Durch Materialauswahl und Detailgestaltung wird dabei ein betont handwerkliches Erscheinungsbild vermieden. Diese so genannten „Typenmöbel“ sind von schlichter Eleganz, beliebig kombinierbar und vor allem von jeglichem stilistischen Ballast der Vorgängerepochen befreit. Gerade vor diesem Kontext sind sie daher durchaus als „schmucklos“ zu bezeichnen. Die Möbeldesigner des Bauhauses erfinden mit ihren funktionalen Entwürfen für konstruktive und zerlegbare Möbel aus Materialien wie Stahlrohr, geschichtetem Bugholz oder Eisengarnbespannungen eine universelle Designsprache, deren Erfolg bis heute auf seiner Klarheit und Modernität beruht. So gehören Möbel im Bauhaus-Stil auch im 21. Jahrhundert noch zum klassischen Inventar moderner Einrichtungen.